IMHO: Buchhandlungen – Between a rock and a hard place?

Nachdem sich Amazon nun anscheinend auch als Verleger etablieren möchte, und die Aussage einer Buchhändlerin aus Boston dem Herald einen Beitrag wert war (siehe auch die, wie immer, lebhafte Diskussion auf Slashdot), ein paar subjektive Gedanken zum Thema Buchhandlungen, deren Sortiment und Online-Bestellungen.

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Was ist ein eBook wert?

Wenn es darum geht was ein eBook kosten soll, dann scheiden sich die Geister. Wer jetzt argumentiert, dass die Verlage bei der Produktion von eBooks ja deutlich weniger Kosten hätten, denkt zu kurz.

Um eine extrem simple Rechnung aufzumachen, man benötigt für die Produktion eines eBooks

  • Editor(in)
  • Autor(in)
  • Lektor(in)
  • Technische(n) Lektor(in) (bei Fachbüchern)
  • Setzer(in)
  • Graphiker(in)
  • und das Marketing

Wie gesagt, extrem simpel, und ich habe bestimmt noch beteiligte Personen vergessen. Alle der Beteiligten sollten von dem Lohn für ihre Arbeit leben können, auch wenn das gerne mal beim Ruf nach Niedrigstpreisen für eBooks vergessen wird. Ausserdem wird das Papierbuch so schnell nicht verschwinden, da bin ich mir sicher.

Ich habe bei NPR noch ein interessantes Interview zum Thema gefunden: No Ink, No Paper: What’s The Value Of An E-Book?

Was die Zukunft bringen wird, weiss vermutlich niemand so genau, aber es bleibt spannend.

Kindle liest vor. Ist die “Einigung” nicht eine Beleidigung für Schauspieler(innen)?

Golem.de hat im Beitrag Verlage können Sprachausgabe des Kindle 2 deaktivieren darüber berichtet, dass Amazon den Rechteinhabern die Möglichkeit einräumen will, die Vorlesefunktion des Kindle 2 zu deaktivieren.

Worum geht es genau?

Amazon hat am 12. Februar 2009 die neueste Version des, bei uns (noch) nicht erhältlichen, e-book Readers mit der Bezeichnung Kindle 2 vorgestellt. Diese Version des Gadgets hat als eine der Neuerungen eine so genannte “Text-to-Speech”-Funktion, soll heissen, man kann sich den dargestellten Text von einer Computerstimme vorlesen lassen.

Die Author’s Guild hat im Beitrag E-Book Rights Alert: Amazon’s Kindle 2 Adds “Text to Speech” Function ihr Missfallen darüber ausgedrückt, dass man mit dem Kindle 2 die Möglichkeit bekommt, sich e-books “vorlesen” zu lassen. Zitat aus dem Beitrag:

The remarks have been interpreted by some as suggesting that the Guild believes that private out-loud reading is protected by copyright. It isn’t, unless the reading is being done by a machine. And even out-loud reading by a machine is fine, of course, if it’s from an authorized audio copy.

Es geht also um die Rechte. Diese werden anscheinend verletzt, wenn ein Computer den Text vorliest. (Wer sich jetzt wundert, war auch neu für mich.) Nun stellt sich die Frage, ob damit nicht eine Funktion ausser Kraft gesetzt wird, von der Personen mit Lesebehinderungen profitieren könnten; auch dazu hat der Artikel eine Antwort:

Others suggest that challenging Amazon’s use of this software challenges accessibility to the visually impaired. It doesn’t: Kindle 2 isn’t designed for such use.

Ein Urteil darüber, ob der Kindle 2 diese Funktionalität als Unterstützung für Personen mit Sehschwäche implementiert hat oder nicht, kann ich nicht beantworten, bevor ich das Gerät nicht testen konnte, aber ich fürchte, die Author’s Guild bewegt sich hier auf dünnem Eis. Ich kann die Befürchtungen der Interessenvertretung zwar in gewisser Weise nachvollziehen, aber ich weiss nicht so recht, was ich von dieser Argumentation halten soll.

Und die Vorleser(innen)?

Ernsthaft, wenn sich beispielsweise Stephen Fry dazu hinreissen lassen sollte, seine Stimme und Art der Betonung einer Firma für Sprachsynthese zur Verfügung zu stellen, und diese Firma es wirklich schaffen sollte ihn perfekt nachzuahmen, dann sollten sich die Sprecher(innen) Sorgen machen, vorher nicht. Die benötigte Rechenpower in ein tragbares Gerät mit einer Akkulaufzeit von mehr als 10 Sekunden einzubauen, ist reine Zukunftsmusik.

Fazit

Ich vermute, dass es sich bei der Geschichte um eine wehret den Anfängen-Aktion seitens der Author’s Guild handelt. Die Damen und Herren wären aber gut beraten, eine gewisse Sensibilität walten zu lassen.

Apple-Besitzer(innen) können übrigens leicht ausprobieren, um was es geht. Der Mac kann schon seit vielen Jahren Texte als Sprache ausgeben, man sollte sich dabei allerdings auf englische Texte beschränken.

Franz Schneider ist gestorben

Ich habe als Kind eine ansehnliche Sammlung von Büchern aus dem Schneider Verlag besessen, vermutlich wird es den meisten so gegangen sein – Interesse am Lesen vorausgesetzt. Ich habe eben mitbekommen, dass Franz Schneider am 19. Februar mit 82 Jahren verstorben ist.

Dem Schneider Verlag war es zu verdanken, dass beispielsweise die Bücher von Enid Blyton in Deutschland zu bekommen waren. Franz Schneider hatte die Leitung des Verlags 1964 von seinem Vater übernommen. Der Verlag gehört seit 1985 zur Egmont Mediengruppe.

Ich habe seinem Wirken viele spannende Stunden in meiner Kindheit zu verdanken und möchte den Angehörigen auf diesem Weg mein herzlichstes Beileid ausdrücken.

Der Streik der Drehbuchautoren ist vorbei

Ein ausführlicher Bericht findet sich in dem Beitrag It’s official: WGA strike is over. Anscheinend sind über 92% der Mitglieder der WGA mit dem Ausgang der Verhandlungen zufrieden. Über die Gewinner und Verlierer berichtet der Artikel The WGA strike’s winners and losers in der LA Times.

Literatur-Agenten(innen)?

Literatur-Agenten(innen) sind im deutschen Sprachraum anscheinend noch nicht so verbreitet. Eine kurze Beschreibung des Berufsbildes findet sich hier. Der Link enthält allerdings einen Satz, der meiner Meinung nach nicht ganz richtig ist:

Autoren von Publikumsverlagen lassen sich häufiger von Literaturagenten vertreten als Autoren von Fachbuchverlagen.

Ich habe bei einer schnellen Suche keine Agenten gefunden, die sich mit der Vertretung von Fachbuchautoren(innen) befassen – es könnte sich hierbei allerdings um ein Henne und Ei-Problem handeln. Wenn Agenten(innen) oder Agenturen für Fachbuchautoren(innen) hier mitlesen, bitte melden; ich werde den Beitrag dann ergänzen.

Erstautoren(innen) haben zusätzlich noch das Problem nicht wirklich zu wissen, welche Leistungen ein(e) Agent(in) normalerweise erbringt (siehe auch Tipps für betroffene Autorinnen und Autoren). Im angelsächsischen Raum läuft das Ganze einfach so ab, dass der Agent / die Agentur zwischen 10 und 15% des Honorars für das Buch bekommt, also nur etwas verdient, wenn das Buch erfolgreich vermittelt wurde (und das Buch auch etwas einbringt). Letzteres kann sich für Erstautoren(innen) allerdings auch als Stolperstein erweisen, jeder Agent sucht natürlich den nächsten Dan Brown oder die nächste J. K. Rowling, was auch verständlich ist. Auf was man bei der Suche nach Repräsentation als Autor(in) auch achten sollte, hat die Science Fiction and Fantasy Writers of America, Inc. im Beitrag Warnings and Cautions for Writers – Literary Agents zusammengefasst.

Wer eine(n) wirklich guten Agenten(in) gefunden hat, sollte als Autor(in) aber auch ein “dickes Fell” haben. Warum? Ganz einfach, ein(e) gute(r) Agent(in) weiss, was momentan am literarischen Markt nachgefragt wird und hat eventuell Verbesserungsvorschläge was den Inhalt und / oder die Form des Manuskripts betrifft. Jetzt ganz ruhig durchatmen, ja, im letzten Satz kommt literarisch und Markt zusammen vor. Egal wie altruistisch die Motive eines Verlages auch sein mögen, letztendlich will ein Verleger Geld verdienen. Umgekehrt hat die Marktkenntnis des / der Agenten(in) viele Vorteile für den Autor / die Autorin, man kann zielgerichteter schreiben. Wenn die Agentur einen Stoff für unverkäuflich hält, heisst das ja nicht, dass er es ist. Eventuell ist die Zeit nicht reif für das Thema oder die Agentur hat einfach keine Kontakte zu Verlagen, die sich für das Thema interessieren könnten. Eine gute Agentur wird letzteres dem Autor schon beim ersten Gespräch mitteilen.

Auf pubrants können sich Interessierte genaueres zu Agenturverträgen ansehen: Anatomy Of An Agency Agreement—Part One.

Für Agenturen: Mich würde die Meinung von Agenten(innen) zu diesem Beitrag interessieren, bitte einfach in die Kommentare oder per E-Mail. Danke.

Da das Thema spannend ist, werden weitere Beiträge folgen.

P.S.: Political Correctness hin oder her, würden sich Damen oder Herren beleidigt fühlen, wenn ich mir die “innen” spare? Nur so ein Gedanke.

Gute Übersicht zum Streik der WGA

Zuerst eine Bemerkung: Nein ich schreibe nicht aus Solidarität mit den US-Drehbuchautoren momentan so wenig, ich muss ein Buch fertigstellen. 😉

Wer sich über den Streik informieren möchte, sollte diesen Link benutzen: Writer’s Strike bei The Huffington Post. Der erste Link sammelt alle Beiträge der Publikation, die mit “Writer’s Strike” getagged wurden.

Update: Die inoffizielle Website der Streikenden ist unter unitedhollywood.com

Sobald ich mit dem Buch soweit bin, werde ich auch wieder mehr posten.

Der Streik der Drehbuchautoren

Genauer gesagt, der Streik der Drehbuchautoren die in der Writers Guild of Amerika (WGA) organisiert sind, beginnt, nach aktuellem Stand, am Montag.

Im Blog von Craig Mazin mit dem klingenden Namen The Artful Writer finden sich jede Menge Informationen zum Thema, er war bis September 2006 im Board of Directors der WGA. (Es könnte also sein, dass seine Ansichten nicht vollständig objektiv sind. 😉 )

Im Blogbeitrag The Strike Starts Monday wird bereits diskutiert.

Mal sehen, was passiert.

Übersetzen: Hat jemand den Styleguide gesehen?

Styleguides können auch bei der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche eine wichtige Rolle spielen. Es kommt darauf an, für wen man schreibt; genau, die sprichwörtliche Zielgruppe.

Ich hatte mich zu dem Beitrag Bluff Magazine in deutsch… mmmhhh… zwar schon im Kommentar geäußert, aber das Thema sollte man genauer beleuchten.

Was ist ein Styleguide?

In einem Styleguide (oder Stylebook) wird festgelegt, welche Begriffe für welche Umstände benutzt werden, und wie sie zu schreiben sind. Im Falle einer Übersetzung, welche Begriffe mit welchen Worten übersetzt werden, wenn sie überhaupt übersetzt werden sollen.

Bevor jetzt der Einwand mit der Kreativität kommt, oder der (wirklich wichtige) Einwurf, “man kann nicht alles wortwörtlich übersetzen”; es geht hier nicht darum, irgendetwas “in Stein zu meißeln”. Es geht vielmehr darum, bei Übersetzungen die Sprache zu benutzen, die von der anvisierten Zielgruppe benutzt und verstanden wird. Leser(innen), die im Hinterkopf Anpassungen zum Gelesenen vornehmen müssen, werden gewaltsame ÜbersetzungenNegativbeispiel aus dem IT-Sektor: “Wurzelverzeichnis”. genausowenig akzeptieren, wie einen Wust aus nicht übersetzten Begriffen.

Wie erstellt man einen Styleguide für Übersetzungen?

Kurz und knackig (und überhaupt nicht despektierlich gemeint), indem man dem “Volk aufs Maul schaut”. Welche Begriffe hat die Zielgruppe in die deutsche Sprache übernommen? Für welche Begriffe wurden von der Zielgruppe deutsche Begriffe geschaffen (oder auch verballhornt)? Hier geht es nicht darum, den Befindlichkeiten von Germanisten Rechnung zu tragen; Schreiben ist (in den meisten Fällen) kein Selbstzweck. Wenn sich die Leser(innen) nicht angesprochen fühlen, dann verlieren sie das Interesse.

Im Falle der angesprochenen Poker-Geschichte wäre es gut, einfach mal mit den beteiligten Personen zu sprechen. Was sich anbieten würde, wären in erster Linie deutsche Poker-Spieler(innen), Kommentatoren von Fernsehübertragungen, der deutsche Poker-Verband, etc. Nachdem sich das Magazin vor allem an die erste Gruppe zu wenden scheint, sollte ihren Vorschlägen das größte Gewicht gegeben werden.

Einmal erstellen und fertig?

Ganz bestimmt nicht! Die Poker-Welle ist noch nicht so lange über den deutschsprachigen Raum geschwappt, es wird sicher Änderungen und Anpassungen geben müssen. Das Ganze ist ein kontinuierlicher Prozess.

Also sind Abweichungen erlaubt?

Nochmal: Zielgruppe.

  1. Wer liest den Text?
  2. Welche Ausdrücke werden verstanden?
  3. Warum soll der Text gelesen werden?

Ein Beispiel: Als ich das Linux-Kernel Handbuch. Leitfaden zu Design und Implementierung von Kernel 2.6 (Open Source Library) übersetzt habe, habe ich viele Begriffe bewusst nicht übersetzt, weil das Buch als Begleitung zum Kernel-Sourcecode dient. Dort finden sich keine deutschen Kommentare, also macht es auch keinen Sinn, bestimmte Begriffe zu übersetzen, welche von den Lesern(innen) wieder “zurückübersetzt” werden müssen, um Sinn zu machen.

Es war also keine Abweichung, sondern eine Maßnahme um den Nutzen des Buchs für die anvisierte Zielgruppe zu erhöhen.

Fazit

Wenn man Styleguides in Maßen einsetzt, profitieren der Verlag, die Leser, und die Übersetzer davon. Hat etwas für sich, oder? IMHO, of course. 😉

IMHO: Zeitungen (analog) in einer schnelllebigen Zeit

Robert Basic hat im Beitrag fällt weniger Bäume auf den Artikel Sparen, bis die Leser gehen? in der “Zeit” hingewiesenOder in neu-deutsch verlinkt, bin heute altmodisch drauf. :mrgreen: . Als Wortjongleur muss ich natürlich meinen Senf in 0 und 1 dazugeben.
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