Das Schreiben – Kreativität: Aufzucht und Hege (Teil 2)

Achtung dieser Beitrag ist bereits mit dem gleichen Titel hier auf TechNovelty.de publiziert worden. Er erscheint hier aus den genannten Gründen nochmals.

Dies ist der zweite Teil des Beitrags Das Schreiben – Kreativität: Aufzucht und Hege, weitere Teile werden folgen. Alle Teile haben als Überschrift immer den Bestandteil “Das Schreiben”, damit lässt sich leichter danach suchen. Diesmal geht es (noch) stärker um den “Hege”-Aspekt, also was wir tun können, um das zarte Pflänzchen Kreativität beim Wachsen und Gedeihen zu stärken.

Einen grossen Einfluss hat die

Die Arbeitsumgebung

Während des Schreibens sollten wir uns nur mit Dingen umgeben, die mit dem Thema zu tun haben, an dem wir gerade arbeiten. Es ist wenig hilfreich, sich Informationen über andere Projekte, die später bearbeitet werden sollen, in Sichtweite des Arbeitsplatzes zu legen; wenn man erinnert werden möchte, sollte man ein Kalender-Programm benutzen. Nur um das klarzustellen, ich bin kein Verfechter des “Leeren Schreibtisches”, ich brauche mein kreatives Chaos, sonst kann ich nicht arbeiten. Ich achte nur darauf, dass Objekte die oben liegen auch etwas mit dem Thema zu tun haben, an dem ich gerade schreibe. Über die Wirkung von Musik hatte ich ja im ersten Teil bereits berichtet. Wenn das “Drumherum” in Ordnung ist, sollten wir noch auf ein paar Kleinigkeiten achten, die uns am Bildschirm ablenken können.

Vermeidbare Ablenkungen

Während des Schreibens sollte man die Abruf-Frequenz des Mail-Clients auf ein erträgliches Maß reduzierenWer seinen Mail-Client auf einer Abruf-Frequenz von fünf Minuten oder weniger hat und meint anders nicht leben zu können, der / die sollte sich das mit dem Schreiben eventuell noch einmal überlegen. Manche sinnvollen Satzkonstruktionen dauern sonst in der Komposition länger als der Zufluss von neuen, ablenkenden Nachrichten., oder ihn ganz abschalten. So schön es sein mag immer erreichbar zu sein, wenn man beim Schreiben durch die Anzeige der ungelesenen Mails den Faden verliert, dauert das Aufnehmen des Selbigen einfach länger. Wenn man dann auch noch der Neugier nachgibt und anfängt die Überschriften der eingegangenen Mails zu lesen, dann wirkt das meist genauso, wie das Spielen von Musik die absolut nicht zum Thema, oder der aktuellen Stimmung, passt.

Wenn ich an einem Buch schreibe, dann benutze ich eine spezielle Mail-Filter-Konfiguration. Diese gibt mir nur dann ein akustisches Zeichen, wenn Mails von entweder dem Editor beim Verlag oder dem Lektor / der Lektorin eingehen; alle anderen Mails werden nur still empfangen. Auch wenn die meisten Mail-Clients meinen uns den Empfang eines jeden Spam-Mails akustisch mitteilen zu müssen, lassen sie normalerweise auch das Abschalten dieser Funktion zu. Das Ganze gilt natürlich genauso für IRC-Clients, RSS-Reader, usw.

Da auch Dateien die auf der virtuellen Schreibtisch-Oberfläche des Rechners abgelegt sind eine Ablenkung darstellen können, bieten viele Editoren die Möglichkeit an, nur das Schriftstück anzuzeigen, an dem man gerade arbeitet. Unter OS X wären das beispielsweise die Programme Smultron und Scrivener. Da diese Option von immer mehr Programmen angeboten wird, sollte man einfach in der Dokumentation nachsehen, ob das Schreibprogramm der Wahl den Full-Screen-Modus unterstützt. Ich möchte jetzt nicht unbedingt behaupten, dass diese Option ein KO-Kriterium darstellen sollte, aber ich empfinde sie als extrem nützlich.

Kommen wir zu einer Ablenkung, die sich (Achtung jetzt wird’s richtig subjektiv) durch die Wahl des Betriebssystems mehr oder weniger ausschalten lässt: Wörterbücher, bzw. Rechtschreibprüfung. Es geht natürlich um die digitale Variante. Ein Einwand ist natürlich, dass es im Internet genügend Möglichkeiten gibt, die richtige Schreibweise eines Wortes nachzuschlagen. Mein Einwand hierzu ist, dass dadurch die Gefahr einer Ablenkung astronomisch steigt. “Nur mal schnell” einen verführerischen Link in der Wikipedia zu betätigen, kann in mehrstündigen Surf-Sessions ausarten und gehört in den Bereich der Recherche. Ich ziehe daher, da ich mehr als ein Programm zum Schreiben benutze, das systemweite, mehrsprachige Wörterbuch von OS X vor, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Man kann darauf aus fast jeder Anwendung zugreifen, und damit lohnt sich das
  2. Anpassen des Wörterbuchs an die eigenen Bedürfnisse.

Vor allem Letzteres ist etwas, was viele beim Schreiben vernachlässigen. Egal auf welchem Betriebssystem oder in welcher Software auch immer, wenn das Programm sein Geld wert sein soll, muss es das Erstellen von Benutzerwörterbüchern unterstützen. Dabei ist es völlig egal, ob man einen technischen Artikel oder einen Roman schreibt. Bei Ersterem wird man, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, Ausdrücke benutzen, die im mitgelieferten Wörterbuch nicht vorhanden sind; und bei einem Roman tauchen auf jeden Fall Eigennamen auf, die ebenfalls nicht in der Grundausstattung des Wörterbuchs bedacht wurden. Wir benutzen schliesslich einen Computer um uns das Leben zu erleichtern, und nicht um uns, kurz vor Abgabe / dem Posten, noch auf die Jagd nach Buchstabendrehern zu begeben, oder? Wer sich damit noch nicht beschäftigt hat, sollte auf jeden Fall einmal einen Blick in die Dokumentation der benutzten Software werfen, ob und wie man zusätzliche Begriffe in das Wörterbuch einbinden kann.

Nun kann es allerdings vorkommen, dass man trotz aller Bemühungen irgendwie auf der sprichwörtlichen Leitung steht. Wenn das der Fall sein sollte, sollte man Alternativen in Betracht ziehen.

Weitere Schreibtechniken

Ich habe mit, und jetzt bitte tapfer sein, analogem Schreiben gute Erfahrungen gemachtGenauer gesagt, habe ich so den vollständigen Opener eines Romans auf einer Zugfahrt verfasst. Ich schreibe so schon seit ein paar Jahren und habe später festgestellt, dass Philip Pullman und diverse andere Autoren(innen) genauso verfahren. Analog-Schreiber(innen) sind also keine Seltenheit.. Ja, richtig gelesen. Ich meine das Schreiben mit einem Kugelschreiber auf einem Blatt Papier. Ist der Schock abgeklungen? Geht’s wieder? OK, dann weiter im Text.

Das Schreiben mit Stift und Papier hat für mich folgende Vorteile:

  1. Ich kann weder durch eingehende Mails, noch durch Systemabstürze von meiner Arbeit abgelenkt werden. (Eine Ersatzmine habe ich immer dabei.)
  2. Da ich weiss, dass ich den Text später sowieso in den Computer eingeben werde, konzentriere ich mich auf den Inhalt, statt allzu lange über Formulierungen nachzudenken.
  3. Ich habe keine Möglichkeit, “mal schnell” etwas nachzusehen. (Läuft unter der Kategorie “wenn die Selbstdisziplin nicht will, dann mit brachialer Gewalt”.)
  4. Im Gegensatz zu den meisten Schreibprogrammen kann ich mir auf dem Papier problemlos eine Skizze oder eine Zeichnung als Gedächtnisstütze anfertigen.

Da wir uns gerade auf subjektivem Terrain befinden, noch eine Bemerkung zu den in Deutschland erhältlichen Schreibblöcken: Die Hersteller dieser Schreibblöcke scheinen samt und sonders Sadisten zu sein, die glauben, alle Personen die manuell schreiben wollen gequält werden. Anders ist es nicht zu erklären, warum man in Deutschland keine Schreibblöcke bekommt, deren Grundfarbe Gelb statt Weiss ist. Die gelben Blöcke, in den USA als “Legal Pads” bekannt, sind meiner Meinung nach wesentlich augenschonender als die weissen Reflektoren, die man uns hier zumutet. Wer das nicht glaubt, hat noch nie versucht ein längeres Schriftstück irgendwo in der Sonne zu verfassen. Ich jedenfalls, nutze jede Gelegenheit an die “Legal Pads” zu kommen und bedanke mich daher auch bei meinen vielen “Opfern” für das Besorgen und den Transport (Peter, da bist vor allem Du gemeint, Danke).

Wenn man “analog” schreibt, sollte man sich ein System für die Kennzeichnung von kritischen Textstellen oder Bereichen einfallen lassen, um die spätere Überarbeitung zu erleichtern. Ich werde über mein System in einem der nächsten Posts berichten.

Ein weiterer Vorteil von einem Blatt Papier ist das schnelle Erstellen von so genannten Mindmaps. Ich benutze zwar gerne auch Software dazu, aber auf Papier geht das Ganze manchmal einfach schneller. Anders gesagt, ich benutze das Werkzeug, welches mir für meine aktuelle Stimmung geeigneter scheint. Ein englisches Sprichwort sagt: “If all you got is a hammer, then every problem looks like a nail.” (Wenn man nur einen Hammer hat, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.)

Fazit

Wir sollten uns beim Schreiben einen ganzen Werkzeugkasten, statt nur eines Hammers, zu nutze machen. Und natürlich darauf achten, nicht allzu sehr abgelenkt zu werden.

Ausblick

Diese Reihe wird in lockerer Reihenfolge weitergeführt. Für die nächsten Teile habe ich schon ein paar Ideen, würde mich aber auch über Anregungen, oder Fragen die behandelt werden sollen, freuen.

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