Drehbuch: Law & Order: Criminal Intent
Den meisten Krimi-Fans wird die Serie Law & Order: Criminal Intent[imdb] vermutlich etwas sagen, der Spin-Off von Law & Order[imdb] läuft immerhin schon in der 7. Staffel1.
Was unterscheidet nun diese Serie von vielen anderen Krimiserien die momentan ausgestrahlt werden? Exzellentes Character-Development, gute Schauspieler(innen) und glaubwürdige Plots. Klingt zu einfach? Ist aber, meiner Meinung nach, der Grund für den Erfolg der Serie. Detective Robert Goren, gespielt von Vincent D’Onofrio[imdb], wirkt, in seiner – manchmal fast autistischen – Art nicht nur sympathisch, sondern man glaubt ihm auch Sätze wie, “Dieses Messer wird nur noch von einem Schmied in Norwegen hergestellt, sein Vorname ist Olaf”. Derartige Dinge funktionieren nur, wenn das Drehbuch Einstellungen und Dialoge vorsieht, die ein derartiges Wissen auch glaubwürdig erscheinen lassen. Seine Partnerin, Detective Alexandra Eames, gespielt von Kathryn Erbe[imdb], wird geschickt als “Gegengewicht” eingesetzt; nicht als “Sidekick” die mit grossen Anime-Augen dem Meister lauscht, sondern als jemand die zur Lösung des Falles ihren Teil beiträgt. Auf diese Weise wird verhindert, dass D’Onofrio als unsympathischer Streber-Typ erscheint. Abgerundet wird das Team durch Captain James Deakins, gespielt von Jamey Sheridan[imdb], und Staatsanwalt Ron Carver, gespielt von Courtney B. Vance[imdb], zwei Charaktere die, bei Bedarf, entweder unterstützend oder als Gegenspieler eingesetzt werden können, wenn die Handlung es erfordert.
Die Plot-Lines sind in den meisten Fällen so geschrieben, dass die Zuschauer(innen) eben nicht das Gefühl haben, dass – in letzter Sekunde – irgendein(e) Verdächtige(r) aus dem sprichwörtlichen Hut gezogen wird, um den Fall in den vorhandenen 43 Minuten zu Ende zu bringen. Die Handlung baut sich auf glaubwürdige Weise immer weiter auf, bis der Fall eben gelöst wird. Damit unterscheidet sich “Law & Order: Criminal Intent” allerdings etwas von “Law & Order”, da in der ursprünglichen Serie die Fälle nicht immer “gut” ausgehen. Also spannende Unterhaltung für Krimi-Fans mit hohem Wiedersehenswert. Wer sich dafür interessiert wie man gute Drehbücher schreibt, sollte sich die Serie auf jeden Fall auch unter diesem Gesichtspunkt ansehen. Sie ist nicht immer perfekt, aber das kann man auch nicht erwarten.
Ich enthalte mich momentan einer Bewertung der alternativen Besetzung ab der 5. Staffel, hier wechselt das Ermittlerteam wöchentlich zwischen den Darstellern der vorherigen Staffeln und dem Team bestehend aus Detective Mike Logan, gespielt von Chris Noth[imdb], und Detective Carolyn Barek, gespielt von Annabella Sciorra[imdb]. Es ist nicht so, dass mir die Folgen nicht gefallen würden, aber ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Character-Development der Alternativ-Besetzung halten soll, wenn ich mir ein Urteil gebildet habe, werde ich darüber schreiben.
Die Serie ist auf einigen deutschen Kanälen immer wieder mal zu sehen, momentan auch auf 13th Street im Digital-Fernsehen, dort läuft gerade wieder einmal die 1. Staffel, dankenswerter Weise ohne lästige Dinge wie O-Ton2. Auf der US-Website bei NBC finden sich noch mehr Informationen zur Serie3.
- Nein, nicht bei uns, in den USA. Hier kann man die Serie nur bis zur 5. Staffel sehen. Aber das ist ein anderes Problem. [↩]
- Wer Ironie findet, darf sie behalten. [↩]
- Den Klick auf “Watch Episodes” kann man sich allerdings sparen, Globalisierung ist nur gut wenn sie nichts mit Fernsehen zu tun hat. [↩]
Rubrik(en): Film und Fernsehen | 9 Comments »
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August 31st, 2007 at 1:32 pm
Oh, da sind wir ja grundverschiedener Meinung. Ich finde D’Onofrio unerträglich und seine Kollegin vollkommen überflüssig. Ein blonder Smilie mit herabhängenden Mundwinkeln hat mehr Ausdruckskraft.
Aber von Walter Moers muss ich auch endlich mal was lesen. Schön, dass ich dein Blog trotz verschlampter Bookmarks wiedergefunden habe.
August 31st, 2007 at 1:46 pm
Am Anfang ist mir Vincent D’Onofrio durch seine Art auch irgendwie auf die Nerven gegangen, das lag aber IMHO an seiner deutschen Stimme; nichts gegen den Synchronsprecher, aber die Stimme passt irgendwie nicht.
Ob ich mich allerdings mit dem neuen Chef (Folge letzter Mittwoch) anfreunden kann, weiss ich noch nicht. Der sieht irgendwie nach “lass uns mal ein Konfliktpotential in die Serie reinschreiben” aus. Ein paar Folgen bekommt er von mir auf Bewährung.
Was Walter Moers betrifft, ich kann “Die Stadt der träumenden Bücher” nur empfehlen; ich bin einiges an phantasievoller Lektüre gewohnt, aber bei dem Buch stand mir der Mund offen, keine Übertreibung. Das Buch macht einfach Spass.
Freut mich, dass ich Dir nicht verlorengegangen bin. Ich hab Dich noch zusätzlich im RSS-Reader, sozusagen als Backup.
August 31st, 2007 at 4:48 pm
Ich sollte wohl auch langsam mal damit anfangen, den ganzen Kram nach ‘außen’ zu verlagern.
Ist es eigentlich egal, mit welchem Moers-Buch man anfängt? Käpt’n Blaubär war doch das Erste, oder?
August 31st, 2007 at 5:36 pm
Da ich nur “Die Stadt der träumenden Bücher” und “Rumo” kenne, ist das schwer zu sagen. Zamonien kommt, soweit ich weiss, bereits in Käpt’n Blaubär vor. Wenn Du einen Hang zu Literatur haben solltest, dann ist “Die Stadt der träumenden Bücher”, meiner Meinung nach, ein perfekter Einstieg nach Zamonien. Wenn Du willst, frage ich mal meinen Bruder nach dem besten “Einstieg”; er kennt alle Bücher von Walter Moers. Ich wäre auch schon weiter, wenn Rick mir nicht von Jasper Fforde erzählt hätte, ausserdem wollte ich HP7 lesen, bevor mir irgendjemand das Ende verrät.
August 31st, 2007 at 5:48 pm
Danke für das Angebot, ich warte dann mal die Meinung des Experten (=Bruders) ab. Sicher ist sicher, und ich will jetzt eigentlich erst mal “Der Talisman” von King/Straub lesen. Habe das vor ner Woche angefangen und bin noch nicht weit. Außerdem wollte ich ja noch was zu dem Connolly-Krimi schreiben. Hach ja.
August 31st, 2007 at 5:54 pm
OK, ich geb hier Bescheid, sobald ich ihn erreicht habe. Viel Spass mit dem “Talisman”.
[Ich muss mir unbedingt einen lesenden Smiley bauen.]
September 5th, 2007 at 2:01 pm
@Fernseherin: Hier ist der wortwörtliche Kommentar von meinem Bruder:
Hat ein bisschen gedauert, sorry.
September 7th, 2007 at 4:32 pm
Oh, sag deinem Bruder vielen Dank von mir! Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, ob ich SmdM-geschädigt bin.
September 7th, 2007 at 5:21 pm
Ich würde Dir empfehlen, diesen Link zu betätigen und dann Deine Reaktion abwarten; anschliessend solltest Du den Grad der Schädigung abschätzen können.
Ich werden den Dank an meinen Bruder weiterleiten, sofern er ihn nicht selbst sehen sollte.
BTW: Egal für welches Buch Du Dich entscheidest, es wäre nett, wenn Du Dich dazu äussern würdest, wie es Dir gefallen hat.