IMHO: Bald tippt man sich auch in den angelsächsischen Ländern einen Wolf
Achtung, jetzt wird es subjektiv. Wer weiterliest ist selber schuld.
Bis jetzt konnte man im Englischen datendurchsatz- und papierschonend in manchen Fällen auf verkrampftes, politisch korrektes wortjonglieren verzichten. Bis jetzt. Ich bin gerade über den Beitrag Needed: New Singular Possessive Adjective Combining “his” and “her” gestolpert.
Nur das wir uns richtig verstehen, ich halte gar nichts von geschlechtsspezifischen Stereotypen, aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass Sätze wie “… und klicken Sie mit der Maus / der Mäusin auf das Icon / die Iconin …” nicht mehr so weit weg sind wie man meinen könnte. Sicher lässt sich das Problem durch geschickte Formulierungen, wie im verlinkten Beitrag am Ende gezeigt, manchmal umgehen – zumindest wenn man Englisch schreibt; aber in vielen Fällen stört das herumgeeier, bei der Vermeidung in die Bredouille zu kommen, den Lesefluss doch erheblich. Da war mir die wechselweise Verwendung von “his” und “her” wesentlich lieber1.
In Sachbüchern mag das Ganze ja noch zu verschmerzen sein, aber folgendes würde sich in einem Roman doch schon etwas holperig anhören:
He felt uneasy. Will he or she strike again? Would he or she murder again, in cold blood? Only time would tell what his or her intentions were.
Wem das noch nicht gereicht haben sollte, dem / der sei angeraten sich “Life of Brian” nochmals genau anzusehen (egal ob in deutsch oder englisch).
Nochmal, ich bin gegen jede Art von Diskriminierung; aber ich ich bin auch dagegen den Lesefluss mit Stolpersteinen zu versehen. Vielleicht können wir uns ja auf einen goldenen Mittelweg einigen?
- Ich wundere mich immer noch, wann die ersten Plug-Ins für Autoren(innen)-Software auftauchen, die für eine prozentual gerechte Aufteilung sorgen. [↩]
Rubrik(en): Schreiben | 6 Comments »
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August 8th, 2007 at 1:23 pm
Vielleicht werden dank der Bemühungen des politisch korrekten Gender Mainstreamings auch im Englischen bald gedschendermänstrimmte Kunstwörter entstehen, gleich dem brachialen Binnen-I im Deutschen? Also zB das neutralisierte hes oder hir im gegenständlichen Fall. Und da beide Possessivpronomen: warum nicht gleich Besitz überhaupt abschaffen, passt ja zum Gesinnungskreis wo die Gleichmachung herkommt? Vielleicht werden auch geschäftstüchtig denkende Wörterbuchverlage lobbyieren und die Einführung eines Obsessivpronomens drängen? Und zuguterletzt, in welche Sprache werden dann jene flüchten die sich nicht dem sprachlichen Gleichmachungstrend unterwerfen wollen? Ins matriarchalisch Isländische? Oder besser ins Arabische, weil in dieser Kultur wohl noch ein paar Jahrhunderte Luft sind bis Gleichstellung ein Thema wird?
August 8th, 2007 at 2:02 pm
Rick, Du verschaffst mir manchmal Albträume.
Ich bin schon auf englische Krimis gespannt, in denen man wegen hes und hir dermassen den Faden verliert, dass man ein, die Handlung erklärendes, Werk als Zusatzmaterial erwerben kann (muss).
Das Obsessivpronom sehe ich noch nicht so schnell Wirklichkeit werden, da hierdurch ja rhetorisch ein gewisser Druck auf die Leser(innen) ausgeübt werden könnte.
August 18th, 2007 at 9:14 am
Ergänzung: die Geschichte mit den Pronomen erscheint eine weitere Dimension zu erhalten…
August 18th, 2007 at 10:14 am
Gut dass ich mit einer Tastatur schreibe und nicht mit meinem Kugelschreiber. Wenn mich der heilige Zorn packt, dann wird meine Schrift noch unleserlicher als sie eh schon ist.
Die armen Leute werden also überfordert, wenn sie mit Namen konfrontiert werden? Es ist anstrengend, wenn sie ein Bild der Handlung im Kopf entstehen lassen? Na ja, eventuell ist das ja eine Erklärung warum das Lesen von Büchern zurückzugehen scheint. Dumm wie ich bin dachte ich immer, dass die Erweiterung des Gehirns, bzw. dessen Kapazitäten, ein Ziel sein sollte.
Ich glaube, Du hättest den Satz um “erschreckend” erweitern sollen. Die Zeitung mit den grossen Buchstaben würde wahrscheinlich “WISSENSCHAFTLICH BEWIESEN: LESEN STRENGT AN! Vermeiden Sie Bücher!” titeln. Mann sollte den alten Slogan der Bibliotheken und Büchereien wieder aktivieren: “Lesen ist Fernsehen im Kopf.” Vielleicht hilft es ja.
August 18th, 2007 at 11:32 am
Es war nicht die Absicht bei Dir in offenen Wunden zu bohren, aber wie Du ja weißt ist meine Aufgabe Wahnsinn (un)gerecht zu verteilen und dieser Wahnsinn passte nunmal wenn irgendwohin dann zu diesem Artikel.
Deine Empfindungen dazu kann ich verstehen – mir geht es immer so wenn ich von neueren sinngleichen Errungenschaften rund um Ernährung lese…
August 18th, 2007 at 3:00 pm
Glaub mir, ich bin abgehärtet.
Was Ernährung betrifft halte ich es mit Doug Heferman: “If it says ‘light’ on the package, it’s not food.” Genauer gesagt versuchen wir möglichst viel aus frischen Zutaten zuzubereiten und vermeiden künstliche Zusätze wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. An unser selbstgebackenes Focaccia kommt keine Bäckerei heran, und wir wissen genau was drin ist.