Kindle liest vor. Ist die “Einigung” nicht eine Beleidigung für Schauspieler(innen)?

Golem.de hat im Beitrag Verlage können Sprachausgabe des Kindle 2 deaktivieren darüber berichtet, dass Amazon den Rechteinhabern die Möglichkeit einräumen will, die Vorlesefunktion des Kindle 2 zu deaktivieren.

Worum geht es genau?

Amazon hat am 12. Februar 2009 die neueste Version des, bei uns (noch) nicht erhältlichen, e-book Readers mit der Bezeichnung Kindle 2 vorgestellt. Diese Version des Gadgets hat als eine der Neuerungen eine so genannte “Text-to-Speech”-Funktion, soll heissen, man kann sich den dargestellten Text von einer Computerstimme vorlesen lassen.

Die Author’s Guild hat im Beitrag E-Book Rights Alert: Amazon’s Kindle 2 Adds “Text to Speech” Function ihr Missfallen darüber ausgedrückt, dass man mit dem Kindle 2 die Möglichkeit bekommt, sich e-books “vorlesen” zu lassen. Zitat aus dem Beitrag:

The remarks have been interpreted by some as suggesting that the Guild believes that private out-loud reading is protected by copyright. It isn’t, unless the reading is being done by a machine. And even out-loud reading by a machine is fine, of course, if it’s from an authorized audio copy.

Es geht also um die Rechte. Diese werden anscheinend verletzt, wenn ein Computer den Text vorliest. (Wer sich jetzt wundert, war auch neu für mich.) Nun stellt sich die Frage, ob damit nicht eine Funktion ausser Kraft gesetzt wird, von der Personen mit Lesebehinderungen profitieren könnten; auch dazu hat der Artikel eine Antwort:

Others suggest that challenging Amazon’s use of this software challenges accessibility to the visually impaired. It doesn’t: Kindle 2 isn’t designed for such use.

Ein Urteil darüber, ob der Kindle 2 diese Funktionalität als Unterstützung für Personen mit Sehschwäche implementiert hat oder nicht, kann ich nicht beantworten, bevor ich das Gerät nicht testen konnte, aber ich fürchte, die Author’s Guild bewegt sich hier auf dünnem Eis. Ich kann die Befürchtungen der Interessenvertretung zwar in gewisser Weise nachvollziehen, aber ich weiss nicht so recht, was ich von dieser Argumentation halten soll.

Und die Vorleser(innen)?

Ernsthaft, wenn sich beispielsweise Stephen Fry dazu hinreissen lassen sollte, seine Stimme und Art der Betonung einer Firma für Sprachsynthese zur Verfügung zu stellen, und diese Firma es wirklich schaffen sollte ihn perfekt nachzuahmen, dann sollten sich die Sprecher(innen) Sorgen machen, vorher nicht. Die benötigte Rechenpower in ein tragbares Gerät mit einer Akkulaufzeit von mehr als 10 Sekunden einzubauen, ist reine Zukunftsmusik.

Fazit

Ich vermute, dass es sich bei der Geschichte um eine wehret den Anfängen-Aktion seitens der Author’s Guild handelt. Die Damen und Herren wären aber gut beraten, eine gewisse Sensibilität walten zu lassen.

Apple-Besitzer(innen) können übrigens leicht ausprobieren, um was es geht. Der Mac kann schon seit vielen Jahren Texte als Sprache ausgeben, man sollte sich dabei allerdings auf englische Texte beschränken.

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