Law & Order: Criminal Intent vs. The Closer vs. Boston Legal
Die Qualität von Drehbüchern, oder wie sich an einem Mittwoch das Niveau in 3 Schritten steigern kann. Ich habe die Fernseherfahrung vom letzten Mittwoch sicherheitshalber erst einmal sacken lassen, bevor ich mich äußere.
Zuerst ein Lob an VOX für das Mittwochs-Line-Up, Mittwoch ist VOX-Tag.
Law & Order: Criminal Intent
Law & Order: Criminal Intent: Blasters (Season 6, Episode 9)1 – So sehr sich Chris Noth und Julianne Nicholson auch bemüht haben, die Story war nicht besonders stark, die Folge eher langweilig. Mich würde interessieren, was sich die Produzenten dabei gedacht haben. Eine Serie ist eine Marke. Zu dieser Marke gehört eine gewisse Erwartungshaltung der Zuseher(innen). Die Erwartungshaltung bei “Law & Order: Criminal Intent” ist mitdenken, den sprunghaft genialen Eingebungen von Vincent D’Onofrio zu folgen und nicht einen 5 Minuten langen Shot auf die Obduktion einer verwesten Leiche zu betrachten. Das können die Damen und Herren bei “CSI” (egal in welcher Inkarnation) deutlich besser. Meine Freundin ist an einem Punkt angelangt, an dem sie nachsieht welche der wechselnden Besetzungen in der aktuellen Folge auftritt; ich zweifle daran, dass sie Interesse hat die Folge am nächsten Mittwoch anzusehen. O-Ton: “Was war das denn, und nächsten Mittwoch sind die zwei schon wieder dran.” Schade eigentlich. Wir warten auf das andere Team.
The Closer
The Closer: Heroic Measures (Season 2, Episode 9) – Diese Folge war eine deutliche Steigerung der Drehbuchqualität – verglichen mit der “Criminal Intent”-Folge zuvor. “The Closer” ist eine der besten Serien die momentan im deutschen Fernsehen gezeigt werden. Schade nur, dass bei der Synchro so viel vom Charme des Originals verloren geht. Realistisch gesehen ist es allerdings nicht möglich, den Südstaatenakzent von Kyra Sedgwick ins Deutsche zu übertragen ohne dass es lächerlich wirkt; ich bin also dankbar dafür, dass der Versuch nicht unternommen wurde. Die Qualität der Besetzung von “The Closer” ist beispielhaft, es “funktioniert” einfach, die Chemie stimmt. Bei der Serie kommt es auf Kleinigkeiten an, ein Blick, ein Augenverdrehen, eine spitze Bemerkung, so müssen Serien produziert werden. An dieser Stelle noch ein dickes Lob an die Übersetzer(innen), der Sprachwitz des Originals kommt – soweit machbar – sehr gut rüber.
Boston Legal
Boston Legal: Dumping Bella (Season 3, Episode 13) – Es ist schwer über “Boston Legal” zu schreiben und nicht in seitenlange Lobeshymnen zu verfallen, die beste Serie die ich bis jetzt gesehen habe. Auch hier tun die Übersetzer(innen) ihr Möglichstes um den Wortwitz und das Timing des Originals so gut es eben geht ins Deutsche zu transportieren. Ich würde in diesem Fall von einer 95%igen Erfolgsquote sprechen. Die Serie sprengt alle Dimensionen was die Handlung betrifft, die Dialog sind oft ein derartiges Feuerwerk an Bosheiten, dass es sich empfiehlt die einzelnen Episoden sicherheitshalber aufzuzeichnen, falls man vor Lachen etwas verpasst haben sollte. Mein Verdacht bei “Boston Legal” ist, dass David E. Kelley hier alles rauslässt, was er bei “Ally McBeal” unterdrücken musste.
Fazit
Drei sehr sehenswerte Serien, mit der erwähnten Einschränkung bei “CSI”, Entschuldigung, “Criminal Intent”. Die Fälle des zweiten Teams sollte man an eine andere Serie verkaufen. “The Closer” und “Boston Legal” kann man nur uneingeschränkt empfehlen. Wo Licht ist, ist allerdings auch Schatten. Über die standhafte Weigerung Serien im O-Ton auszustrahlen habe ich mich ja schon geäussert, über den Grund warum das 16:9 Format ebenfalls nicht zur Ausstrahlung kommt, kann ich nur spekulieren.
Update: Es ist nicht alles Gold was glänzt, zumindest nicht bei VOX am Freitag.
- Hat irgendjemand eine Ahnung, warum VOX den Namen der Serie nicht vollständig benutzt und sogar den Vorspann umgemodelt hat? Bin nur neugierig. [↩]
Rubrik(en): Film und Fernsehen | No Comments »
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