Was wir von Raymond Chandler lernen können
Wenn einen Wortjongleur (oder eine Wortjongleuse) eine Idee überfällt, egal ob es eine Szene für ein Drehbuch oder für einen Roman ist, dann sollte diese so schnell wie möglich aufgeschrieben werden. (Wenn kein Computer zur Hand sein sollte, helfen eventuell die Hinweise im Beitrag Analoges Schreiben organisieren.) Auf jeden Fall brauchen wir genug Stichpunkte, dass wir die Idee später ausarbeiten oder verfeinern können.
Was hat das nun mit Raymond Chandler zu tun? Ganz einfach, wer seine Kurzgeschichten kennt, weiss, dass er Ideen in Kurzgeschichten gefasst hat und diese später so umschrieb, dass er sie in seinen Romanen noch einmal verwenden konnte. Diese Vorgehensweise hat 3 Vorteile:
- Durch die Ausarbeitung gibt es kein Rätselraten, wie die Szene beim Aufkommen der Idee aussah.
- Da eine Kurzgeschichte ähnlich wie ein Roman strukturiert ist, hat man einen Anfang an den man anknüpfen, und ein Ende von dem die eigentliche Handlung weitergeführt werden kann.1
- Die gesammelten Werke lassen sich gut zur Inspiration nutzen.
Falls die Geschichten gut für sich selbst stehen können, kann man sie natürlich auch als Kurzgeschichtensammlung veröffentlichen, oder man hat den einen oder anderen Beitrag zur Hand, wenn man ihn für einen Wettbewerb oder eine Anthologie benötigt. Als Schreiberling kann man so also nur gewinnen.
- Vorausgesetzt, der Protagonist nimmt in der Kurzgeschichte kein unrühmliches Ende, aber dann kann man das beschriebene Schicksal ja anderen Person auferlegen. [↩]
Rubrik(en): Schreiben | 2 Comments »
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January 14th, 2008 at 6:55 pm
Stellt sich die Frage wie da wohl die großen Philosophen des Altertums arbeiteten wenn gerade kein Papyrus in der Nähe war. Müssen wir uns Sokrates & Co als Leute vorstellen die schon mal einen angeritzten Steinklotz nach Hause schleppten weil sie eine Idee zum ungünstigen Zeitpunkt überfiel?
January 14th, 2008 at 7:11 pm
@Rick: Romantische Vorstellung, hat etwas von den “Flintstones”.
Ich tendiere allerdings eher zu der Vermutung, dass dann irgendeine Pflanze mit etwas grösseren Blättern gerupft wurde.